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Wir sind Driven by Dreams seit 1948. Aber Porsche ist nicht nur etwas für Menschen, die einen Porsche besitzen. Weil die Leidenschaft selbst oft schon viel früher beginnt. Und weil der Weg zum eigenen Porsche mitunter lang, spannend und kurvenreich ist. Aber wo genau kommt der Traum her, wann wird er geboren? Meist in jungen Jahren, wie diese 4 Geschichten aus 75 Jahren beweisen. So gesehen könnten wir so viele Traum-Geburtstage feiern, wie es Porsche Fahrer gibt. Gehen Sie mit uns mit – auf Erinnerungsreise … 75 Jahre, 4 Storys und der eine Moment, in dem der Porsche Traum geboren wird. TRAUM GEBURTSTAG. 1959: Auf dem Rücksitz. Von Regensburg nach Erding in der Nähe von München war es schon ein gutes Stück zu fahren. Aber der 12-jährige Walter liebte die langen Autofahrten mit seinem großen Bruder. Die Mutter sagte immer: „Nimm den Kleinen mit, dann ist er versorgt.“ Und recht hatte sie. Nun gut, sie waren unterwegs zu einem Flugplatzrennen, und das war sicher nicht immer ungefährlich, aber Walter fühlte sich geborgen und sicher. Der Motor des Roadster 356 Super 90 röhrte so laut, dass man sich kaum unterhalten konnte, aber für ihn waren es die schönsten Sonntage, auch wenn er früh aufstehen musste. Sie sprachen über Autos und darüber, welches er später mal fahren sollte. Der Bruder riet ihm zu sparen, bis er sich ein ordentliches Auto kaufen könnte. Und damit meinte er einen Porsche. Und der Porsche, in dem sie jetzt saßen, würde auch heute zeigen müssen, was ein „ordentliches“ Auto war. Am Ziel angekommen, musste der Bruder nur noch den beeindruckenden Sebring-Auspuff draufschrauben. Und schon würde es losgehen. Da fuhren bestimmt 30 Porsche 356 gegeneinander. Sportwagen – waren für Walter einfach Porsche. Alles andere waren nur Autos. Der Bruder setzte den Blinker, gleich würden sie da sein. 1964: Auf der Leipziger Messe. Der 20-jährige Chemiestudent Rainer war mit seinen Kommilitonen aus Köthen angereist, um die Welt zu sehen, die jedes Jahr hier in Sachsen zusammenkam. Denn für die Leipziger Messe öffnete die DDR auch ein Schaufenster in Richtung Westen. Die jungen Studenten waren aufgefordert, sich den sowjetischen Pavillon anzuschauen und anschließend einen Bericht über die technischen Errungenschaften des großen sozialistischen Bruders zu schreiben. Lust darauf hatte keiner von ihnen. Stattdessen sog Rainer lieber das internationale Messeflair auf. Auch aus der BRD kamen viele Aussteller, die oft mit ihren eigenen Autos angereist waren. Und die hatten es ihm angetan. Etwa die OpelSchlitten Kapitän und Senator oder der Mercedes 300. Wie selbstverständlich parkten sie neben den Trabants und Wartburgs. Und dann stand da noch ein Auto. Ein nagelneuer 911 in Silbergrau. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und wenn man sich plötzlich verliebt, kann man den Blick nur schwer lösen. Rainer schaute sich das Sport-Coupé von allen Seiten an. Bis so ein junger Kerl einstieg, den Boxermotor startete und einfach wegfuhr. War es Neid, war es Bewunderung, die Rainer empfand? Nun, die Mauer schien damals auf ewig zementiert zu sein, aber der Traum war geboren. Und erfüllte sich etwa 40 Jahre später mit einem indischroten 911, den der spätere Unternehmer bis heute fährt. 1986: Beim Auto-Quartett. Die anderen Mädchen wollten immer mit den Puppen spielen. Nur Silke nicht. Quartettkarten fand sie viel spannender. Lag es daran, dass sie 2 große Brüder hatte, die schon immer ein bisschen wilder waren? Oder war es einfach nicht ihr Ding, in Puppenstuben winzige Teetassen mit imaginärem Earl Grey zu befüllen? Natürlich mochte sie auch Mädchen-Sachen. Aber ihre Quartettkartensammlung mit Schiffen, Eisenbahnen und Raumfahrzeugen hütete sie wie einen Schatz. Es gab da nichts, was man nicht gegeneinander ausspielen konnte. Den dänischen Eisbrecher MS Danbjørn mit 3.025 Bruttoregistertonnen gegen das deutsche Forschungsschiff Meteor mit „nur“ 2.615 BRT. Oder die japanischen Shinkansen-Züge, die so viel schneller waren als alle anderen. Apropos schnell: Geschwindigkeit war der Wert, der Silke am meisten faszinierte. Kein Wunder, dass Auto-Quartette ihre liebsten waren. Da ließ sie die Chevrolet Corvette gegen den Maserati Barchetta oder den Ferrari Testarossa antreten. Oder eben gegen ihr Trumpf-Ass, den Supersportwagen Porsche 959, der mit seinen 317 km/h Vmax lässig alle Gegner ausstach … Natürlich wurde Silke für ihre vermeintliche Jungs-Leidenschaft belächelt. Aber ihr war das egal. Sie wusste: Eines Tages würde sie einen echten Porsche besitzen. Aber sie wusste auch, dass sie diese Quartettkarte niemals hergeben würde. 1975: Nach der Schule. Auf dem Weg von der Schule nach Hause guckte Harald durch die Fenster der geparkten Autos, um vom Tacho abzulesen, wie schnell sie fahren konnten. Natürlich schaute er nicht in jeden VW-Käfer oder Renault hinein, wohl aber in jene Modelle, die etwas mehr Karacho hatten, wie etwa ein BMW oder ein Mercedes. Er wölbte seine Hände über das Fensterglas eines dunkelgrünen Audi 100 und spähte ins Innere. Dabei versuchte er nicht zu atmen, da sonst die Scheibe beschlug. Die grüne Skala verriet ihm: 220! Immerhin. Der Kadett seines Vaters hatte da nur 180 stehen. Natürlich war ihm klar, dass die elterliche Familienkutsche kaum je schneller als 150 fahren würde. Aber die Vorstellung, mit annähernd 200 km/h über die Autobahn zu brettern, war aufregend. Und plötzlich stand da ein Porsche. Ein Porsche! Wie ein Raumschiff, das in seinem öden Dorf gelandet war. Ein 911. Ein Turbo! Flach gebaut, das Heck breit, der Flügel riesig. Wo kam der nur her? Wer war der Besitzer? Harald hatte nicht viel Zeit, denn so ein Auto blieb ja nicht unbeobachtet. Wie ein Dieb sah er sich um und rannte auf die andere Straßenseite, robbte sich an den Sportwagen heran und riskierte einen schnellen Blick. Sein Herz klopfte. Was er sah, verschlug ihm den Atem: Auf dem Tacho stand – als wäre es das Normalste der Welt – eine dicke, fette 300. 75 JAHRE PORSCHE SPORTWAGEN 07

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